Fleisch

Die grüne Insel

Sláinte nach Irland

Am 2. Juli hieß es Koffer packen und ab nach Bochum. Von dort startete der Trip zur grünen Insel. Eine Tour für Kunden des irischen Rind- und Lammfleisches bei Niggemann. So konnten sich die interessierten Kunden schon Wochen zuvor zu dieser Tour anmelden und sich auf eine interessante Reise mit vielen Eindrücken freuen. In Zusammenarbeit mit Bord Bia, einer halb staatlichen Organisation aus Irland, hatte Niggemann für das entsprechende Programm gesorgt.

Von Bochum nach Düsseldorf

Sammelplatz für alle Mitreisenden war erst einmal Bochum - von dort aus sollte gesammelt der Transfer zum Flughafen in Düsseldorf erfolgen. Eine, wie ich empfand, sehr angenehme Art zu reisen, denn man ersparte sich den Stress am Flughafen und musste keine überteuerten Parkgebühren bezahlen. Ebenfalls konnte man schon vorab mit dem ein oder anderen Mitreisenden ins Gespräch kommen.

Die Tasche schnell im Bus untergebracht und schon konnte der Trip beginnen - angekommen am Flughafen ging es schon direkt Richtung Sicherheitskontrolle. Ich war mir schon im Vorfeld im Klaren darüber, dass ich herausgepickt würde, hatte ich doch einiges an Kabeln, Steckern und Powerbanks dabei, um mein Equipment auch mit Strom zu versorgen. Und wen wundert es, genau so kam es auch... aber zu verbergen hatte ich zum Glück nichts.

Nach der Hürde "Sicherheitskontrolle" kam nur noch die Kontrolle der Ausweise und Pässe, aber auch hier fiel ich wieder einmal aus der Reihe, denn ich besaß wirklich noch einen alten Personalausweis ohne RFID Chip, so dass ich hier nochmals zur manuellen Kontrolle durfte.

Jetzt nur noch nach dem Gate gucken und in Ruhe ein Reisebier am Flughafen genießen, während wir auf unsere Maschine von Aer Lingus warteten.

Ankunft in Dublin

Angekommen in Dublin wurden wir von Donal und Gillian (Mitarbeiter von Bord Bia) in Empfang genommen. Als Gruppe ging es dann Richtung Shuttle Bus, der uns vom Flughafen zum Nahe gelegenen Hotel fahren sollte.

Im Hotel (Clayton Hotel Dublin Airport) gab es dann nur das kleine Problem, dass die Küche zu unserer Ankunftszeit leider schon geschlossen hatte. Übrig blieb uns dann nur mit den typischen Sandwiches und Tacco Chips unsern Hunger zu stillen, einen Drink an der Bar gab es dann auch noch und schon waren wir alle im Zimmer verschwunden, denn der nächste Tag begann zeitig.

ABP Ireland und Farmer William

Nach unserem Frühstück im Hotel, konnten wir auch schon alle Platz nehmen in dem Bus, der uns die Tour über begleiten sollte. Gut 1,5 Stunden später kamen wir bei ABP in Cahir an, einem der größten Fleischverarbeiter in Irland.

Nach einer kurzen Vorstellung der Verantwortlichen und einer Firmenpräsentation durften wir einen Blick in die Produktion werfen. Aufgeteilt in zwei Gruppen, konnten wir die großen Produktionsstraßen besichtigen und bekamen reichlich Informationen zu einzelnen Prozessschritten.

Sehr interessant fand ich die Ultra-Tender-Produktlinie, bei der der Schlachtkörper zum Abhängen in die "natürliche" Weideposition zurückgeführt wird, damit sich die Muskeln und Sehnen entspannen, bis zur Zerlegung. Diese Methode wird in Produkten für die Firma Niggemann unter dem Namen "Irish Nature" produziert. Einige dieser Produkte werde ich wohl in den nächsten Monaten immer mal wieder testen.

Nach dieser wirklich riesigen Produktionsstätte führte uns der Weg direkt zum Züchter William, einem der Lieferanten von ABP. Der erste Weg bei William führte uns auf die Weide zu seinen Angus Rindern, die alle sehr neugierig waren. Es war doch sehr ungewohnt, dass Rinder sich schon fast darum stritten, in der ersten Reihe zu stehen - um zu sehen, wer vor dem Zaun steht.

Nach den größeren Rindern ging es zu den Kleinen auf die riesige Weide, auf der sie zusammen mit Lämmern verweilen. Gab es zunächst eine Massenflucht vor uns, so wurden wir dann doch schnell wieder eingekreist von den Kälbern. Die Lämmer haben jedoch immer einen weiten Bogen um uns gemacht.

Zwischenstopp in Kilkenny

Das nächste Hotel war in Kilkenny, bekannt durch das Kilkenny Red Ale, welches es auch in Deutschland zu kaufen gibt. Eine wirklich schöne, kleine, gemütliche Stadt, die aber wohl an Wochenenden aus allen Nähten platzen muss. Denn uns wurde noch abends in einem Restaurant berichtet, dass am Wochenende dort ca. 4000 Gäste bedient werden und dass in nur einem Restaurant.

Nach einem wundervollen Abend mit einem gemeinsamen Essen, so wie dem Besuch in einem Pub mit Live-Musik, war dann Nachtruhe angesagt.

Irish Country Meats (ICM) und Farmer John

Auch dieser Tag begann sehr früh und sollte, aufgrund der Rückreise am Abend, auch lang werden. Unser Weg führte uns zunächst zu John, der mit zu Irlands besten Lamm-Züchtern gehört. Er selbst beschreibt seine Tätigkeit als "passion for lamb". Das allein ist Beweis genug für uns, die Tiere artgerecht aufwachsen zu wissen.

Auf der Reise habe ich auch erfahren, dass die Tiere viel auf der Weide stehen, da es kostengünstiger ist, sie das Gras fressen zu lassen, als mit Kraftfutter nachzuhelfen - Kraftfutter kostet circa das fünffache von Gras! Aufgrund dieser Tatsache achtet John sehr stark auf die Qualität seiner Weiden und prüft bei jeder Begehung die Qualität des Grases.

Es ist immer schön zu sehen, wenn Menschen ihrem Job mit Leidenschaft begegnen. In Irland habe ich einfach gesehen, dass sich die artgerechte Haltung bei industrieller Verarbeitung nicht ausschließen muss.

Nachdem wir bei John viel über die Züchtung und Kreuzung von Lämmern erfahren durften, ging es mit dem Bus weiter zu Irish Country Meats (ICM), dem größten Lamm-Verabeiter in Europa. Vertreten in 3 Ländern mit 7 Standorten werden hier im Jahr fast 2,5 Millionen Schlachtungen vorgenommen. Diese Zahlen sind schon beeindruckend, wenn man sich überlegt, wie ruhig dort gearbeitet wurde, aber das ist der guten Ausbildung der Mitarbeiter geschuldet, die Profis in ihrem Bereich sind und immer genau wissen, was zu tun ist - jeder Handgriff und jeder Schnitt sitzt perfekt. Eine solche Atmosphäre gibt auch den Tieren die nötige Entspannung, bevor es zur Schlachtung geht.

Nach dem Rundgang durch die Verarbeitung, fanden wir uns im Besprechungsraum wieder, in dem uns Arnaud einen Firmenüberblick präsentierte - Zahlen, Daten, Fakten. Gefüttert mit all den Informationen, ging es direkt in ein üppiges Mittagessen über, bei dem wir die Gelegenheit hatten, einige Produkte von ICM zu testen. Die ein oder andere Neuheit, aber auch eine Spezialität wurde uns bereitet - mitgenommen dabei habe ich, dass Hoden essen gar nicht so schlimm ist, alles reine Kopfsache. Meine Lieblingsspeise wird es dennoch nicht... Des Weiteren kann ich sagen, dass ich wahrscheinlich öfter mal etwas mit Lamm machen werde, denn dieses Produkt ist doch ein wenig verkannt, meist jedoch zurecht, da entweder das Ausgangsprodukt einfach schlecht war oder gar die Zubereitung nicht gekonnt.

Zurück nach Deutschland

Nach dem Mittagessen wurde es Zeit nach Dublin aufzubrechen, denn es erwartete uns eine anderthalbstündige Fahrt zum Flughafen. Die Rückfahrt wurde abermals zum Schlafen genutzt, denn obwohl wir recht viel gesessen haben, war es auch anstrengend.

Zurück am Flughafen mussten wir unsere Tickets besorgen, bevor wir uns alle gemeinsam zur Sicherheitskontrolle begeben konnten. Ein letztes Getränk und danach ging es zum Gate 61 zum Boarding.

Der Flug war gefühlt schneller als der Hinflug und verlief ohne große Turbulenzen, hatte ich auf dem Hinflug noch den obligatorischen Gin-Tonic und ein paar Chips dazu, war auf dem Rückflug, schlafen, eine Cola, Chips und ein Schokoriegel angesagt.

Fazit

Ihr fragt euch, ob ich eine solche Reise wieder machen würde? Ja, aber ganz bestimmt! Ich habe bei dieser Reise gesehen, was dieser Prozess bedeutet, wobei ich auch ganz ehrlich sagen muss, dass war eine Situation, die ich mir für die meisten Tiere wünsche, ein Leben auf der Weide, nicht in Ställen, die nur darauf ausgelegt sind möglichst viel Fleisch zu produzieren.

Wer Fleisch konsumiert, sollte sich immer einer Sache bewusst sein: "Das Fleisch wächst nicht in der Packung im Supermarkt oder in der Theke vom Metzger!" Macht euch bewusst, dass dafür ein Tier gestorben ist. Geht bewusster mit Lebensmitteln um, denn auch dieses Thema hatten wir auf der Reise - es wird immer über das Wohl der Tiere gesprochen und dass so wenig für Fleisch gezahlt wird. Es wird in allen Bereichen der Lebensmittel viel zu wenig für die Arbeit bezahlt, nur muss das irgendwann einmal in den Köpfen ankommen und wir auch wieder akzeptieren, dass wir nicht alles sofort und im Überfluss haben können - Stichwort: Saisongemüse.

Dieses Thema liegt mir in diesem Blog sehr am Herzen und ich möchte daran erinnern, dass bewusstes Konsumieren nicht schwer oder teurer ist. Einzig allein jeder selbst ist dafür verantwortlich, was er isst. Und: Ein oder zwei gute Stücke Fleisch in der Woche, sind bekömmlicher und gesünder, als jeden Tag günstig Fleisch aus Massentierhaltung zu verzehren..

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